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Pressemitteilung
Düsseldorf, den 27.
August 2001
Chemikalienpolitik:
Europaabgeordneter Helmut Kuhne bei BASF Coatings in Münster
Chemieindustrie fürchtet Zusatzbelastungen
durch Absichten der EU-Kommission
Eine Betriebsbesichtigung mit politischen Gesprächen unternahm
der Dortmunder SPD-Europaabgeordnete Helmut Kuhne auf Einladung
der Chemieverbände NRW bei BASF Coatings in Münster. Dabei
hob er die Bedeutung der chemischen Industrie für den Großraum
Münster, aber auch für Westfalen insgesamt hervor. Im
Mittelpunkt der Gespräche standen Besorgnisse der chemischen
Industrie über die von der EU-Kommission geplante Chemikalienpolitik.
"Diese würde zu erheblichen Zusatzbelastungen in der Chemieindustrie
und zu einem Verlust der Innovationsfähigkeit der Branche führen,"
erläuterte Dr. Peter Bachhausen, Leiter der Einheit Umweltschutz
und Sicherheit der BASF Coatings AG.
Grundsätzlich begrüße die chemische Industrie die
neue EU-Chemikalienpolitik, betonte Martin Sträßer, stellvertretender
Geschäftsführer des VCI NRW, der fast 500 Unternehmen
vertritt, von denen mehr als zwei Drittel weniger als 300 Beschäftigte
haben. "Die Information über Eigenschaften und Verwendung
von Chemikalien ist eines unserer freiwilligen Ziele, die wir im
Rahmen von Responsible Care (Verantwortliches Handeln) kontinuierlich
umsetzen. Doch die EU-Kommission droht über das Ziel hinaus
zu schießen."
Die Branche befürchtet einen enormen Kostenschub und die Einführung
eines kostspieligen und bürokratischen Zulassungsverfahrens
für die Risikobewertung von chemischen Stoffen. Dadurch könnte
die Produktion von Stoffen in kleinen Mengen und für spezifische
Anwendungen schnell unrentabel werden. Stilllegungen oder die Verlagerung
von Produktionseinheiten außerhalb der EU wären mögliche
Folgen.
Bernhard Rubbert, Leiter der Einheit Produktsicherheit der BASF
Coatings AG, verwies darauf, daß die EU-Kommission über
die Definition eines "vorgesehenen Verwendungszwecks (intended
use)" auch eine Einengung vornehmen könne, die für
die Zubereitungsindustrie große Gefahren berge. "Wir
sind darauf angewiesen, eine möglichst breite Palette von Rohstoffen
zur Verfügung zu haben, um unseren Kunden technisch fortschrittliche
Produkte anzubieten."
Helmut Kuhne verwies darauf, daß zu diesen Fragen noch kein
Gesetzentwurf der Kommission vorliege, sondern diese zunächst
Stellungnahmen zu einem sogenannten "Weißbuch" einhole.
Ein Zulassungsverfahren werde darin lediglich für gefährliche
und nicht für alle Stoffe vorgeschlagen, ebenso eine Berücksichtigung
von kleineren Mengen. Allerdings sei es wichtig, im Vorfeld künftiger
Gesetzgebung Einfluß zu nehmen. Seine bisherigen Gespräche
im Parlament hätten gezeigt, daß Abgeordnete aus Ländern
ohne eine große chemische Industrie zu einem "ziemlichen
Rigorismus" neigen. "Der bisherige Diskussionsstand unter
den SPD-Europaabgeordneten läßt sich dagegen in folgenden
Punkten zusammenfassen: keine Mehrfachprüfungen für den
selben Stoff, abgestufte Regelungen für kleinere Mengen und
Berücksichtigung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie gleiche
Regeln für Importe von außerhalb der EU. Insgesamt ist
eine realistische Haltung notwendig, da auch andere Industriezweige,
wie die Automobil- und Baubranche chemische Produkte verwenden.
In diesem Sinne werde ich in Brüssel bei den weiteren Beratungen
tätig sein."
Die Chemieverbände NRW haben zum Thema Chemikalienpolitik
schon frühzeitig Gespräche mit maßgeblichen Politikern
aller Fraktionen geführt. Dabei wurde konstruktiv auf mögliche
Folgen für die Wirtschaftskraft des größten Bundeslandes
hingewiesen. Diese Gespräche werden in nächster Zeit fortgesetzt.
Kontakt:
Chemieverbände NRW
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Norbert Minwegen
Tel.: 0211 / 67 93 144
Fax: 0211 / 67 93 188
Mobil: 0172 / 85 700 71
e-mail: minwegen@nrwchemie.de
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