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Pressemitteilung
Ausführungen von Herrn Dr. Michael Schulenburg,
Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes der Chemischen Industrie
in Nordrhein-Westfalen vor der Presse am 28. März 2001 in Düsseldorf.
(Es gilt das gesprochene Wort!)
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als Zip-Datei-
-Power-Point-Präsentation
zum Wirtschaftspressegespräch-
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
willkommen zu unserer diesjährigen Wirtschafts-Pressekonferenz
der Chemieverbände Nordrhein-Westfalen. Ich hoffe, Sie wundern
sich nicht allzu sehr über diesen unüblichen Veranstaltungsort.
Wir befinden uns hier in der Aula des Städtischen Schloß
Gymnasiums. Diese Schule ist Kooperationspartner der Cognis Deutschland
GmbH im Rahmen der durch die Chemische Industrie initiierten Partnerschaften
zwischen Industrie und Schule. Diese Zusammenarbeit zwischen Chemiewirtschaft
und Schule unterstützt das "präduale Lernen"
der Schülerinnen und Schüler. Das Gymnasium bzw. seine
Leiterin Frau Belzer war so freundlich, uns die Aula für unser
Wirtschaftspressegespräch zur Verfügung zu stellen.
Normalerweise wird an deutschen Schulen zwar auch über Zahlen
gesprochen, aber leider viel zu selten über Wirtschaftszahlen.
Ich hoffe, dass unser heutiges Wirtschaftspressegespräch hier
eine neue Möglichkeit der Kooperation aufzeigt. Wir haben diesen
Ort gewählt, um Ihnen das Science live-Mobil zu präsentieren.
Ein 18 Meter langer Gentechnik-Truck, ausgestattet mit Präparaten,
Versuchslaborplätzen für Schüler und interessierte
Erwachsene - und hoffentlich auch den einen oder anderen von Ihnen.
Da dieses rollende Labor vormittags Schülern zur Verfügung
steht, haben wir diesen etwas ungewöhnlichen Ort für eine
Wirtschaftspressekonferenz gewählt.
Aber lassen Sie mich zunächst einmal etwas zu dem wichtigsten
Chemieland Europas , nämlich Deutschland, bzw. zu dem umsatzstärksten
deutschen Chemie-Bundesland, also Nordrhein-Westfalen sagen!
Auch angesichts der guten konjunkturellen Lage der Chemischen Industrie
in Europa hat sich Deutschland mit 25 Prozent EU-Chemie-Umsatz weiterhin
an der Spitze behaupten können. Auf Deutschlands Chemie fokussiert,
steht Nordrhein-Westfalen mit rund 34 Prozent Umsatz an der gesamtdeutschen
Spitze. 2000 war für die nordrhein-westfälische Chemie
ein Jahr des Aufschwungs. Die zu Beginn des Jahres 2000 bestehende
Befürchtung, dass aufgrund der Rohölpreisentwicklung der
Umsatz abflacht, hat sich nicht bestätigt. Der Aufschwung hat
sich insgesamt verfestigt und im Jahr 2000 an Stärke gewonnen.
Entscheidend hierfür war erneut das sehr gute Auslandsgeschäft.
Die Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr 2000 erscheint zwar in
dieser Grafik rückläufig, das liegt aber an den gestiegenen
Umsatzergebnissen aus 1999. Die auffallenden Umsatzsteigerungen
zum Ende des Jahres 1999 lassen sich zum Teil auf die seit dem zweiten
Halbjahr 1999 angesprungene Konjunktur, aber auch auf den Millenniumswechsel
zurückführen. Produktionen für das 1. Quartal 2000
wurden bereits im letzten Quartal 1999 produziert.
Die gute konjunkturelle Lage in allen wichtigen Abnehmerregionen
- Europa, Nordamerika und Asien - beflügelte die Nachfrage
nach Chemieprodukten. Die nordrhein-westfälische Chemie profitierte
davon. Zusätzlich wirkte sich der schwache Euro vorteil-haft
aus. Auf der anderen Seite litten jedoch unsere Chemieunternehmen
unter den Preissteigerungen für Rohöl und dessen Folgeprodukten.
Diese Preissteigerungen konnten nur graduell und auch nicht in allen
Chemiesparten an den Markt weitergegeben werden.
Umsatzerlöse
Die nordrhein-westfälische Chemieindustrie erzielte im Jahr
2000 in D-Mark ausgedrückt ein sehr gutes Umsatzergebnis von
fast 90 Mrd. DM - gut 12,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Eine
zweistellige Zuwachsrate des Umsatzes war zuletzt 1984 erreicht
worden. Neben der guten konjunkturellen Lage der Branche, sorgte
der schwache Euro für einen zusätzlichen Währungseffekt
bei den Geschäften, die in US-Dollar, Pfund Sterling oder Yen
abgewickelt wurden
Das Inlandsgeschäft der nordrhein-westfälischen Chemieindustrie
steigerte sich in 2000 um 8,5 Prozent zum Vorjahr auf rund 46 Mrd.
DM.
Die Exporte von Chemieerzeugnissen stiegen im Jahr 2000 doppelt
so stark, nämlich um 17,3 Prozent und erreichten ein Niveau
von 43 Mrd. DM. Diese hohe Steigerung im Vergleich zu 1999 ist auf
den robusten Wirtschaftsaufschwung in der EU zurückzuführen.
Bemerkenswert daran ist, dass in diesem Teil des Chemieaußenhandels
kaum Währungseffekte zur Wirkung kommen. Eine Aufteilung der
außereuropäischen Abnehmerregionen zeigt, dass Exporte
nach Asien dank des dynamischen Wirtschaftswachstums in der Region
überdurchschnittlich stiegen.
Sparten
Vom Konjunkturaufschwung in NRW profitierten vor allem jene Sparten
der Chemischen Industrie, die Erzeugnisse zur industriellen Weiterverarbeitung
herstellen. Der Umsatz chemischer Grundstoffe legte gegenüber
dem bereits sehr guten Jahr 1999 um gut 20 Prozent zu. Auch der
Umsatz von Pharmazeutischen Erzeugnissen bewegte sich das ganze
Jahr auf hohem Niveau und übertraf 1999 um 7 Prozent. In der
Herstellung von Anstrichmitteln, Druckfarben und Kitten wurde das
Produktionsniveau von 1999 sogar um 9 Prozent gesteigert.
Das Jahr 2000 verlief allerdings nicht für alle Sparten der
Chemischen Industrie zufriedenstellend. Das Produktionsniveau bei
Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln, bei Chemiefasern
sowie Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln
steht nicht in Relation zu den hohen Umsatzveränderungen der
anderen Sparten.
Beschäftigte
Im Durchschnitt des Jahres 2000 waren 134.000 Menschen in der Chemischen
Industrie beschäftigt. Die amtliche Statistik weist damit zwar
einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen von 2,9 Prozent
aus. Ein Großteil dieses Rückgangs ist aber erneut darauf
zurückzuführen, dass Unternehmensteile ausgelagert wurden.
Diese Beschäftigten werden anschließend - nach der amtlichen
Statistik - nicht mehr der Chemischen Industrie zugeordnet. Ich
nenne hierzu folgendes Beispiel: Kantinen und Bewirtschaftungsbetriebe
wurden innerhalb der Chemischen Industrie outgesourct und gehören
heute zum Gaststättengewerbe. Ein weiteres Beispiel finden
Sie im Bereich der Logistik. Diese ehemaligen Chemietransportunternehmen
werden nach den Outsourcingmaßnahmen jetzt in der amtlichen
Statistik dem Transportgewerbe zugeordnet.
Was wir aber sagen können - und das bestätigt eine gemeinsame
Branchenanalyse des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) und
der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE):
Wir können davon ausgehen, dass der langjährige Beschäftigungsabbau
in der Branche praktisch zum Stillstand gekommen ist. Dabei war
der Tarifabschluss 2000 ein Beitrag zur Beschäftigungssicherung:
die Kosten bleiben verkraftbar und die fast zweijährige Laufzeit
gibt Planungssicherheit für die Unternehmen.
Eins ist aber - auch unter Berücksichtigung der amtlichen Statistik
- klar: Den hohen Beschäftigungsstand wie Ende der 80er Jahre
mit nahezu 200.000 Beschäftigten wird die Chemische Industrie
in Nordrhein-Westfalen nicht wieder erreichen.
Leider ist es unsererseits, wie aber auch seitens der Statistikämter
nicht möglich, die Outsourcing-Effekte zahlenmäßig
zu erfassen. Wanderungsbewegungen und dergleichen können damit
nicht dargestellt werden. Diese Arbeitsplätze sind dann statistisch
zwar nicht mehr unter Chemie erfasst, aber damit nicht weggefallen.
Eine aktuelle Schnellumfrage der Chemiebranche Nordrhein ergab,
dass die 30 befragten Betriebe über 500 offene Arbeitsplätze
melden. Diese befragten Unternehmen beschäftigen mehr als die
Hälfte der Chemie-Beschäftigten.
In die Zukunft gerichtet zeichnet sich schon heute ein Beschäftigungsproblem
für die Chemische Industrie ab. Die Rekrutierung junger hochqualifizierter
Naturwissenschaftler wird zunehmend schwieriger; schwieriger für
große internationale Konzerne wie für kleine Biotech-Unternehmen.
Gesucht werden Chemiker und andere hochqualifizierte Naturwissenschaftler
und Ingenieure sowie Spezialisten - besonders im Bereich Biotechnologie
und Gentechnik.
Die Ursache liegt in den abnehmenden Absolventenzahlen naturwissenschaftlicher
Studiengänge in den letzten Jahren. Das gilt im übrigen
nicht nur für Deutschland, sondern auch in der gesamten EU.
Hinzu kommt, dass Absolventen nach dem Studium immer öfter
in andere Bereiche gehen und damit der Chemischen Industrie nicht
zur Verfügung stehen.
Daraus folgt für die deutsche Chemischen Industrie: wir müssen
unseren Bedarf an Spezialisten sowie an Managementpersonal aus dem
Ausland rekrutieren. Die Unternehmen verstärken aus diesem
Grund ihre Aktivitäten, um hochqualifiziertes Personal auf
den weltweiten Märkten zu finden.
Bildung
Meine sehr geehrten Damen und Herren, pünktlich zur Landtagswahl
haben wir Ihnen unsere "Wahlprüfsteine" vorgestellt.
Die politische und öffentliche Resonanz war sehr erfreulich.
Es folgten Diskussionen, Kritik und Bestätigungen aber auch
fortführende Gespräche mit den politischen Verantwortlichen.
Meine soeben gegebene Situationsbeschreibung der zukünftigen
Beschäftigungssituation lässt eine Ruhepause in diesem
sensiblen Bereich nicht zu. Aus diesem Grund wird die nordrhein-westfälische
Chemieindustrie als bedeutender Wirtschaftsmotor ihre Bemühungen
fortsetzen. Wir bleiben dabei: eine fundierte und breite Allgemeinbildung
auf Basis eines Kanons von Pflichtfächern in der Sekundarstufe
II kann durch ein Zentralabitur gewährleistet sein. Neben Schlüsselqualifikationen
wie Methodenkompetenz und Teamfähigkeit fordern wir die Stärkung
des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Nur durch einen fundierten
Schulunterricht, gewährleistet durch motivierte Lehrer und
gut ausgestattete Schullabore, lässt sich nachhaltig Interesse
an den Naturwissenschaften sichern.
Im Bereich der Hochschule bleiben wir bei unseren bildungs- und
wissenschaftlichen Forderungen nach:
- Zügiger Umsetzung leistungs- und wettbewerbsorientierter
Reformmaßnahmen zur Verbesserung von Forschung und Lehre
- Einführung der anerkannten angelsächsischen Hochschulabschlüsse
"Bachelor" und "Master",
- Förderung von überdurchschnittlich begabten jungen
Wissenschaftlern.
Als Wirtschaftsverband können wir nicht die jahrelangen Versäumnisse
in der staatlichen Bildungs- und Schulpolitik wettmachen, aber wir
können Lösungsansätze aufzeigen und fördern.
Unsere Nachwuchsförderung an Schulen und Hochschulen - durch
Stipendien, finanzielle Unterstützung des Chemieunterrichts
usw. - wird in 2001 von 4 Mio. DM auf 5 Mio. DM erhöht. Eine
weitere bildungspolitische Förderung für 2001 steht dort
draußen:
Als eine der innovativsten und forschungsintensivsten Branchen
wissen wir, dass die tollsten Entwicklungen gar nichts nutzen, wenn
die Bevölkerung sie nicht versteht und deshalb nicht bereit
ist, diese anzunehmen!
Aus diesem Grund tourt auf Initiative der Chemieverbände NRW
von März bis August ein 18 Meter langer Gentechnik-Truck durch
Nordrhein-Westfalen. Schulen aus dem ganzen Land haben sich beworben
und bauen das Thema Bio- und Gentechnik in den Unterricht ein. Das
Praktikum an Bord des Trucks ist dabei der Höhepunkt. Die Ausgangssituation
ist die Notwendigkeit einer intensivierten Information der Schülerinnen
und Schüler. Die Behandlung im Unterricht und die Begleitung
durch Wissenschaftler an Bord beseitigt mangelnde Transparenz und
Defizite über den Nutzen neuer Technologien.
Regelmäßig steht das Science live-Mobil am Nachmittag
Multiplikatoren (Lehrern, Referendaren etc.) zur Verfügung.
Abends informieren die Wissenschaftler Bürgerinnen und Bürger
in Bezug auf Grundlagen, Chancen und Risiken der modernen Biotechnologie
und Gentechnik. Den genauen Tourplan durch Nordrhein-Westfalen können
Sie der beigefügten Broschüre entnehmen.
Die Resonanz unter den Schülern und der Bevölkerung ist
groß und spricht für sich. Sie zeigt uns, dass es eine
große Nachfrage nach Informationen rund um die Bio- und Gentechnik
gibt. Im Anschluss an diese Pressekonferenz steht das Science live-Mobil
mit seinen Wissenschaftlern zu Ihrer Verfügung.
Und damit komme ich zum Fazit und Ausblick der wirtschaftlichen
Situation der Chemischen Industrie in NRW.
Fazit und Ausblick
Für 2001 rechnen Branchenkenner mit einem Nachlassen der gesamtwirtschaftlichen
Dynamik. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Chemieindustrie
- unsere Stimmung ist somit etwas gedämpfter als noch vor einem
Jahr. Der Aufschwung der Branche wird sich aber fortsetzen - dies
folgern wir aus den noch ansehnlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft,
moderaten Inflationserwartungen, aktuellen Zinssenkungen durch die
US-Notenbank und ggf. durch die EU-Zentralbank. Fast 50 Prozent
der in unserer Schnellumfrage befragten Betriebe gehen von einer
unveränderten Produktionserwartung im ersten Halbjahr 2001
im Vergleich zum ersten Halbjahr 2000 aus. Unsere Erwartungen sind
also, lassen Sie es mich so ausdrücken, verhalten optimistisch!
Eine Stärkung des Euros gegenüber dem Dollar wird gemeinsam
mit der zu erwartenden Abschwächung der US-Wirtschaft die Exportnachfrage
in diesem Jahr zwar bremsen können. Wir hoffen aber, dass die
europäische und deutsche Wirtschaft stark genug sind, um die
nachlassenden Exporte in die USA zu kompensieren. Dem Inlandsgeschäft
kommt 2001 auf jeden Fall eine große Rolle zu. Das Wachstum
der Chemischen Industrie wird in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2001
eher geringer ausfallen als im vergangenen Jahr. Trotzdem rechnen
wir auch mit positiven Impulsen.
Positive Impulse sind von der zu Beginn des Jahres in Kraft getretenen
Stufe der Steuerreform zu erwarten, die den privaten Konsum stimulieren
wird. Dies nährt die Hoffnung, dass sich dieses Jahr für
die Anbieter konsumnaher Chemieerzeugnisse erfreulicher gestalten
wird als das Jahr 2000. "Sorge" bereitet uns aber die
erneute Schwächung der Standortfaktoren durch die Bundesregierung
im Bereich der Sozialpolitik. Ich erwähne hier nur das neue
Teilzeitgesetz sowie die Reform der Mitbestimmung. Wir befürchten,
dass hier unnötig unternehmerische Handlungsspielräume
eingeschränkt werden und sich damit Investitionen verzögern.
Darüber hinaus droht uns auf europäischer Ebene Ungemach.
Die EU plant unter skandinavischer Federführung eine neue Chemikalienpolitik
zu verabschieden, die für die Chemische Industrie nicht vertretbare
Belastungen bedeuten würde.
Soviel von mir zur Einführung, jetzt stehen Ihnen meine sehr
geehrten Damen und Herren, Vertreter der Chemischen Industrie Nordrhein-Westfalens
sowie die Geschäftsführung zur Verfügung.
Vielen Dank!
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