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Pressemitteilung
Ausführungen von Herrn Dr. Michael
Schulenburg, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes der Chemischen
Industrie in Nordrhein-Westfalen vor der Presse am 04. April 2000
in Düsseldorf.
(Es gilt das gesprochene Wort!)
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Meine sehr verehrten Damen und Herren,
der Ministerpräsident unseres Landes, Wolfgang Clement, beschreibt
die Zukunft der Chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen wie
folgt: "Für mich ist die Chemieindustrie (in Nordrhein-Westfalen)
die innovativste Industriebranche, die wir haben." (Zitat aus
IG BCE-Magazin, Ausgabe März 2000)
Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Frühjahrs-Pressekonferenz.
Mit der Pressekonferenz der Chemieverbände Nordrhein-Westfalen
geht ein Reigen von Bilanz-Pressekonferenzen - nicht nur der Chemischen
Industrie - zu Ende.
Die Schlagzeilen der letzten Wochen lauteten "Chemie rechnet
2000 mit Stellenaufbau - Konjunktur dreht auf; Chemie mitten im
Aufschwung - mehr Beschäftigung - Lob für Regierung; Chemieindustrie
geht optimistisch ins neue Jahr; Chemie spürt kräftigen
Aufschwung; (diese Anreihung von Überschriften der letzten
Wochen könnte sinngemäß fortgesetzt werden)."Die
ersten Wochen des Jahres waren wirklich mehr als erfolgreich für
die Chemische Industrie. Nach einem guten Start zu Jahresbeginn
rechnen die Unternehmen dank einer weltweit günstigen Wirtschaftsentwicklung
mit deutlichen Impulsen für Produktion und Umsatz.
Eine weitere Schlagzeile der letzten Tage lautete: "Das Bündnis
lebt!" In nur 30 Stunden konnten sich die Vertreter der Arbeitgeberseite
der Chemischen Industrie sowie der Industriegewerkschaft Bergbau,
Chemie und Energie im hessischen Bad Wildungen einigen. In dieser
Zeit wurde der erste große Tarifabschluss dieses Jahres beschlossen.
Das Handelsblatt nannte diesen Tarifabschluss zu Recht: "zukunftsweisend!"
In den nächsten 25 Minuten möchte ich mit Ihnen zusammen
das Jahr 1999 Revue passieren lassen sowie den Blick nach vorne
in Richtung 21. Jahrhundert richten.Das Motto der Chemieverbände
lautet wieder einmal mehr: Chemie im Dialog! Wir suchen den Dialog
zu allen gesellschaftspolitischen Kräften in unserem Lande!
Am 14. Mai 2000 sind Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Die
Chemische Industrie ist eine Schlüsselindustrie für das
größte Bundesland, Nordrhein-Westfalen. Der neu zu wählende
Landtag und die durch ihn gewählte Landesregierung werden maßgeblichen
Einfluss auf die weitere Entwicklung unseres Landes und damit auch
der Chemischen Industrie nehmen. Unser Verband hat Erwartungen an
die zukünftige Landespolitik formuliert. Sie dienen dem Dialog
und der Orientierung vor der Wahl sowie als Maßstab für
die Beurteilung der zukünftigen Landespolitik. (Exemplare liegen
der Pressemappe bei und können von unseren Internetseiten downgeloaded
werden - www.nrwchemie.de)
Umsatz und Ergebnisse der Chemischen Industrie Meine Damen und
Herren, die nordrhein-westfälische Chemische Industrie startet
mit Zuversicht in das Jahr 2000. Die wirtschaftliche und konjunkturelle
Entwicklung unserer Industriebranche sehen wir alles in allem unter
positiven Vorzeichen. Von der Erholung in Asien profitiert auch
die nordrhein-westfälische Chemische Industrie und sie befindet
sich wieder auf Wachstumskurs. Die wirtschaftliche Erholung setzte
bereits in der 2. Jahreshälfte 1999 ein. Insgesamt können
wir - in der Bundesrepublik Deutschland - für das Jahr 1999
ein Produktionsplus von 4,8 % verbuchen.
Umsatz Der Chemie-Umsatz (Gesamtumsatz ohne Handels- und fachfremde
Umsätze) lag in Nordrhein-Westfalen 1999 mit 79,0 Mrd. DM erfreulicherweise
um 5,1 % höher als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit
ist der Chemie-Umsatz in Nordrhein-Westfalen deutlich stärker
gestiegen als im Bundesdurchschnitt (1,2 %).
Bei der Umsatz-Entwicklung zeigt sich im Jahresverlauf eine zum
positiven tendierende Entwicklung. Im ersten Quartal musste noch
ein Minus gegenüber dem ersten Quartal 1998 verzeichnet werden,
was sich bereits im zweiten Quartal langsam in ein Plus wendete.
Im dritten und besonders im letzten Quartal 1999 konnten deutliche
Umsatz-Zuwächse erzielt werden (Dezember 1999 + 25 %). Diese
zusätzlichen Wachstumsimpulse dürften jedoch auch millenniumsbedingte
Vorzieheffekte gewesen sein - sie wurden zunächst so interpretiert!
Erzeugerpreise So erfreulich doch dieses Umsatzplus ist, unser
Sorgenkind sind nach wie vor die Preise, die wir für unsere
Produkte auf unseren Märkten bekommen. Obwohl wir seit Juli
letzten Jahres einen leichten Aufwärtstrend bei den Preisen
beobachten, lag der Chemieerzeugerpreisindex im Durchschnitt des
vergangenen Jahres allerdings noch immer rund 5 % unter dem Niveau
des Basisjahres 1995.
An den Erzeugerpreisen bei chemischen Grundstoffen wird die Problematik
besonders deutlich: im vergangenen Jahr sind die Preise trotz einer
leichten Erholung im Jahresverlauf um 5,1 % zurückgegangen,
während gleichzeitig die Rohstoffkosten als Folge der Rohölpreisentwicklung
explodierten. Die Erzeugerpreislage ist nach wie vor unbefriedigend!Die
drastischen Rohstoffkostensteigerungen konnten bisher nicht über
die Preise weitergegeben werden. Dies hat die Ertragsmargen erheblich
zusammengedrückt und die Unternehmen einem enormen Kostendruck
ausgesetzt.
Beschäftigung Die Zahl der Beschäftigten der Chemischen
Industrie Nordrhein-Westfalens ist 1999 - nach Angaben der amtlichen
Statistik - um 2,2 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.
Danach betrug die Beschäftigtenzahl Ende Dezember 1999 rund
140.000. Ein Teil des Beschäftigungsabbaus geht allerdings
auf die Ausgliederung von Unternehmen oder Unternehmensteilen im
Servicebereich zurück. Diese Arbeitsplätze sind aber nicht
verloren gegangen. Die dort Beschäftigten werden nun in der
amtlichen Statistik teilweise nicht mehr der Chemiebranche zugeordnet.
Es ist leider nicht möglich, diese Effekte exakt zu quantifizieren,
um die Nettoauswirkungen genau nennen zu können.
Chemie-Tarifbündnis 2000 In diesem Zusammenhang möchte
ich auf das Tarifpaket der Chemischen Industrie zu sprechen kommen.
Das Chemie-Tarifbündnis 2000 kommt allen zugute: Für ältere
Mitarbeiter wird die Möglichkeit zur Altersteilzeit erweitert.Der
Nachwuchs erhält bessere Chancen, einen Job zu finden.Und die
jüngeren und mittleren Jahrgänge unter den Chemiebeschäftigten
können gezielter etwas für ihre Altersvorsorge tun.
Die Anpassung der Tarife: moderat.
Mit dem Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände,
Dr. Weinspach, haben Sie einen der kompetentesten Ansprechpartner
der letzten Tarifverhandlungen in Bad Wildungen hier vor sich sitzen.
Falls Sie zur "Philosophie" der Tarifgespräche und
des Bündnisses für Arbeit Fragen haben, so wenden Sie
sich bitte an Herrn Dr. Weinspach.
Für mich als Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes
von Cognis war dieses Tarifbündnis sehr wichtig. Besonders
die Laufzeit der Entgelt-Regelung von 21 Monaten gibt meinem Unternehmen
Cognis - genau wie den anderen chemischen Betrieben - Planungssicherheit.
Ausbildung Besondere Bedeutung möchte ich dem Thema Ausbildung
für den Chemiestandort Deutschland und im speziellen Nordrhein-Westfalen
geben. Die Chemie-Arbeitgeber haben bis Ende 2002 eine weitere Steigerung
des Ausbildungsplatzangebotes um insgesamt 10 % bezogen auf die
Basis der Tarifvereinbarung von 1998 zugesichert. Dies steht in
einem engen Zusammenhang mit anderen bildungs- und beschäftigungspolitischen
Maßnahmen unserer Branche, auf die ich an dieser Stelle kurz
eingehen möchte:
Der Boden des Beschäftigungsabbaus in unserer Branche scheint
fast erreicht. Während in einzelnen Unternehmen die Beschäftigtenzahlen
noch leicht zurückgehen, stellen andere - vor allem kleinere
und mittlere - Unternehmen wieder ein und motivieren damit auch
junge Menschen, eine Ausbildung in der Chemischen Industrie zu beginnen
oder Chemie zu studieren. Die Chemieverbände Nordrhein-Westfalen
fördern dies und werben landesweit für Ausbildungsmöglichkeiten
in der chemischen Industrie und deren Berufsförderungsinitiativen.
Dabei haben wir verschiedene Zielgruppen festgelegt.
Zum einen sind dies die Lehrer, die Auszubildenden und die Referendare
- unsere Lehrer von morgen. Wir laden sie ein, mit uns in einen
ergebnisoffenen Dialog zu treten. Dies geschieht z. B. auf unseren
Lehrerwochenenden, wo chemiespezifische Schulthemen aufgearbeitet
und mit den Lehrern kommuniziert werden. Weiterhin stellen wir uns
auf unserem Lehrerkongress - der Jahr für Jahr einen höheren
Zulauf erfährt (1999 rund 450 Lehrerinnen und Lehrer) - der
gesamten nordrhein-westfälischen Lehrerschaft.
Schon bundesweit bekannt sind die Initiativen der Chemischen Industrie
Nordrhein-Westfalens im Bereich der Kooperationspartnerschaften
Schule - Wirtschaft bzw. Schule - Industrie. Zunächst misstrauisch
vom Schulministerium beäugt, sind wir heute eines der Vorzeigeobjekte
der Landesregierung. Unser Ziel ist es dabei, dass jede Schule einen
Wirtschafts-, einen Lernpartner bekommt. Prof. Vollmer, Koordinator
und Leiter der Kooperationsnetze in Nordrhein-Westfalen, nennt dies
"präduale Ausbildung"! Das heißt: die Schüler
stehen mit einem Bein in der Wirtschaft, mit dem zweiten Bein in
der schulischen Ausbildung (dualer Aspekt für allgemeinbildende
Schulen).
Schon vor einiger Zeit hat die Chemische Industrie erkannt, dass
die Anzahl der Studienanfänger/-innen im Fach Chemie an unseren
Universitäten nicht den erwarteten und erforderlichen Absolventenzahl
entsprechen wird. Aus diesem Grund, haben wir ein Sonderstipendienprogramm
aufgelegt, welches die besten Abiturienten eines Jahrganges motivieren
soll, sich für ein Chemiestudium zu entscheiden. Der Fonds
der Chemischen Industrie hat dafür ein Mittelvolumen von insgesamt
2 Millionen Mark bereitgestellt. Weiterhin wird intensiv an einer
Reform des Chemiestudiums mit der Einführung von "Bachelor"
und "Master"-Abschlüssen gearbeitet - bundesweit.
Umweltschutz Unter dem Motto "Responsible Care" - "Verantwortliches
Handeln" - setzen sich Chemieunternehmen weltweit dafür
ein, den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Sicherheit von
Anlagen, Produkten und Transporten kontinuierlich zu verbessern.
1999 haben sich etwa 800 Mitgliedsunternehmen an der Datenerhebung
zum Responsible Care-Bericht 1999 beteiligt. Sie repräsentieren
damit rund 80 % der Beschäftigten bzw. mehr als 80 % des Umsatzes
unserer Branche in ganz Deutschland.
Die Schadstoffemissionen sind auf niedrigem Niveau stabil oder
sogar rückläufig. So rückläufig, dass die Chemische
Industrie im Gewässerschutz vorbildliche Maßstäbe
gesetzt hat. Dies wird sogar von unseren kritischen Dialogpartnern
bestätigt. Bündnis 90/DIE GRÜNEN haben in ihren vielbeachteten
10 Thesen zur Erneuerung grüner Umweltpolitik festgestellt,
dass sich die Chemische Industrie vom "klassischen Feindbild
der Umweltbewegung zum Vorbild" entwickelt hat.
Selbstverständlich folgen daraus weitere Forderungen an uns,
wie etwa im Bereich der Stoffpolitik und Chemikalienpolitik.Eine
Besonderheit möchte ich an dieser Stelle nochmals erwähnen:
Die Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände haben den spezifischen
Energieverbrauch auf der Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung
um 25 % und die absoluten CO2-Emission bisher um 29 % reduziert.
Hierfür war eine gesetzliche Regelung nicht nötig. Sie
sehen, meine Damen und Herren, es geht auch ohne Gesetze und Einwirkung
seitens der Landesregierung.
Ich muss an dieser Stelle zum dritten Mal in Folge unserer Pressegespräche
etwas anmahnen: Es ist leider das eingetreten, was die kritischen
Geister innerhalb der Chemieverbände Nordrhein-Westfalens schon
immer befürchtet haben. Die Landesregierung hat auch in diesem
Jahr keine Gespräche für einen Umweltpakt - oder wie immer
Sie diesen Dialog zum Thema nachhaltiger Umweltschutz nennen möchten
- mit uns begonnen. Unsere Dialogbereitschaft besteht weiterhin.
Leider hat die Landesregierung den angebotenen Dialog nicht aufgenommen.
Und es ist doch so einfach:
Andere Bundesländer wie Bayern und Sachsen-Anhalt machen
es uns vor. Das Land Hessen hat nach den Landtagswahlen ebenso eine
Umweltallianz ins Leben gerufen.
Wir bleiben bei unserer Dialogbereitschaft und hoffen, dass Gespräche
für eine Vereinbarung zum Schutz der Umwelt nach den Landtagswahlen
im Mai in Angriff genommen werden können.
Responsible Care und Sustainable Development Responsible Care
ist eine weltweite freiwillige Initiative der Chemischen Industrie
für Aktionen innerhalb der Chemischen Industrie. Sie steht
für den Willen zur ständigen Verbesserung von Sicherheit,
Gesundheit und Umweltschutz - unabhängig von gesetzlichen Vorgaben.
Mittlerweile haben sich mehr als 40 nationale Chemieverbände
dem Responsible Care- Programm angeschlossen. Mit Responsible Care
leistet die Chemische Industrie einen Beitrag für eine nachhaltig
zukunftsverträgliche Entwicklung im Sinne von Sustainable Development.
Sustainable Development steht für eine Leitidee, wie die Zukunft
für lebende und kommende Generationen gestaltet werden kann.
Dabei sollen grundsätzlich und gleichzeitig ökologische,
ökonomische und soziale Aspekte gleichrangig berücksichtigt
werden.
Zukunftsperspektiven Wie die Bestenliste von Bundesforschungsministerin
Bulmahn zeigt, brauchen wir uns im Bereich der Bio- und Gentechnologie
nicht zu verstecken. Auf ihrer Rankingliste der innovativsten Standorte
in der Bundesrepublik steht das Land Nordrhein-Westfalen im Bereich
Biotechnologie an zweiter Stelle. Die Chemieverbände Nordrhein-Westfalen
unterstützen und fördern als Beiratsmitglied in der Bio-Gen-Tec
NRW Start-Up-Unternehmen und halten auch fortlaufend Kontakt zu
den jungen Unternehmensgründern.
Wir sind froh über den Schwerpunkt der Biotechnologie, den
unser Land hat. Diese Lorbeeren dürfen aber nicht zum Ausruhen
einladen, denn die Entwicklungen in dieser Technologie schreiten
ständig voran.
Ein weiteres Beispiel dafür ist das Thema E-Commerce. E-Commerce
Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendetwas zum Thema E-Commerce,
Zukunftsträger, Markt für neue Produktvermarktung oder
zum Thema Internet als Marktplatz der Zukunft in unseren Zeitungen
steht. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums stellt fest,
dass der Umsatz im Bereich E-Commerce in Deutschland zur Zeit 2,6
Mrd. DM ausmacht. Die Prognose für das Jahr 2002 besagt, dass
dann 94 Mrd. DM Umsatz im Bereich dieses neuen Mediums gemacht werden.
Damit steht Deutschland nach den USA noch vor Großbritannien,
Frankreich, Japan und Italien.
Aber der E-Commerce ist nicht nur rosig. Es gibt wie in jedem
Bereich auch hier Hoffnungen und Sorgen. Hoffnungen, dass sich neue
Handelspartner finden. Sorgen, dass anwendungsorientierte Produkte,
die via E-Commerce gehandelt werden, mangels Anwendungs-know how
die Erwartungen der Kunden nicht erfüllen und danach wegbrechen.
Doch trotzdem erwartet die Chemiebranche von diesem neuen Medium
Vorteile. Der E-Commerce bietet eine stärkere Markttransparenz,
eine Bündelung der Kaufkraft, einen geringeren Aufwand für
Produktbewertung, mehr Effizienz sowie eine höhere Innovationsrate.
Henkel bzw. Cognis unterstützt ein Joint-Venture mit der BASF,
mit Degussa-Hüls und der Metallgesellschaft AG sowie SAP. Für
Cognis kann ich sagen, dass wir uns an diesem neuen Joint-Venture
beteiligen, da dieser virtuelle Marktplatz uns auf der Beschaffungseite
besonders im b2b-Bereich (Business to Business) neue Möglichkeiten
eröffnet und uns hilft, noch effizienter auf dem Weltmarkt
zu agieren. Wir versprechen uns vom E-Commerce eine deutliche Senkung
unserer Kosten beim Einkauf: vor allem die Kostenersparnis bei der
Suche nach dem günstigsten Preis.
Aktuelle Wirtschaftslage Meine sehr verehrten Damen und Herren,
lassen Sie mich jetzt zu der Auswertung einer verbandsinternen Umfrage
zur aktuellen Situation der Chemischen Industrie und einer Prognose
für das laufende Jahr 2000 kommen. Obwohl die Beschäftigungsentwicklung
in Nordrhein-Westfalen noch leicht rückläufig ist, so
sehen die Personalplaner unserer Unternehmen zu 20 % ein Zunahme
und zu über 52 % einen Gleichstand im Bereich Beschäftigung.
Über 86 % der von uns befragten nordrhein-westfälischen
Chemiebetriebe sehen die allgemeine Geschäftslage zu Beginn
des Jahres 2000 befriedigend bis gut. Unsere interne Mitgliederumfrage
belegt, dass auch die Geschäftslage für die nächsten
sechs Monaten ebenso und fast noch günstiger beurteilt wird.
Weit über die Hälfte (62,5 %) der NRW-Chemiebetriebe hatte
in den ersten zwei Monaten 2000 eine Zunahme der Produktion zu verzeichnen.
Wir können wirklich an dieser Stelle sagen, die Chemische
Industrie in Nordrhein-Westfalen ist gut in das Jahr 2000 gestartet.
Die Chemiebetriebe im größten Bundesland Deutschlands
erzielten im Jahr 1999 wie bereits erwähnt eine Zunahme des
Umsatzes, was in den positiven Prognosen der Umsatzerwartung fortgeschrieben
wird. ¾ der Befragten gehen von einer weiteren Zunahme des
Umsatzes im ersten Halbjahr 2000 aus. Dass die Zahlen der Chemischen
Industrie als ein früher und sensibler Konjunkturfühler
auf dem Gesamtmarkt betrachtet werden können, ist allgemein
bekannt und so sind auch die Erwartungen der Investitionen in den
nordrhein-westfälischen Unternehmen zu sehen. Mehr als die
Hälfte der Unternehmen gibt an, dass die Investitionen in 1999
höher waren als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Profitiert hat die Chemische Industrie - besonders in Nordrhein-Westfalen
- vor allem von der Belebung der Konjunktur in den süd-ost-asiatischen
Ländern. In diesem Bereich erzielten wir zum Teil zweistellige
Wachstumsraten. Wir hoffen, dass in 2000 auch die Inlandsnachfrage
anzieht.
Wahlprüfsteine Lassen Sie mich nach dieser Prognose der Chemischen
Industrie für das Jahr 2000 zu unserem zweiten Schwerpunkt
kommen. Die Chemische Industrie Nordrhein-Westfalens hat ihre Erwartungen
an die zukünftige Landesregierung formuliert. Diese - ich nenne
sie einmal Wahlprüfsteine - haben wir als - ich zitiere unseren
Ministerpräsidenten "innovativste Branche in NRW"
erarbeitet.
Sicherlich wird der eine oder andere von Ihnen, meine Damen und
Herren, sich fragen, warum ausgerechnet die Chemische Industrie
solche Erwartungen formuliert. Diese Frage ist einfach zu beantworten:
Wir sind mit etwa 79 Mrd. DM vor dem Maschinenbau und dem Ernährungsgewerbe
die umsatzstärkste Branche des Landes. Wir haben in Nordrhein-Westfalen
rund 140.000 Chemie-Beschäftigte und sind damit einer der größten
industriellen Arbeitgeber des Landes. Und was nicht zu vergessen
ist, wir sind überwiegend mittelständisch organisiert.
Das heißt, mehr als ¾ der über 430 nordrhein-westfälischen
Chemietriebe hat weniger als 300 Mitarbeiter.
Unser Ziel ist es, in einen Dialog zu treten. Hierzu sollen u.a.
diese Wahlprüfsteine dienen! Denn die Zukunft braucht Chemie
und ich möchte ergänzen, Nordrhein-Westfalen braucht Chemie.
Wie Sie den Wahlprüfsteinen, die vor Ihnen liegen, entnehmen
können, haben wir kein komplettes Wahlprogramm geschrieben.
Nein! Wir haben uns drei der aus unserer Sicht wichtigsten Themen
für Nordrhein-Westfalen herausgegriffen. Bildung, Umweltschutz
und Standortförderung.
Wir haben die Bildung vorangestellt, denn unser Land ist mehr
denn je angewiesen auf gut ausgebildete Menschen mit einem hohen
Niveau an naturwissenschaftlichem Wissen. Deswegen fordern wir eine
kontinuierliche Unterrichtung der Naturwissenschaften ab der 7.
Klasse sowie eine Abschlussprüfung in den Naturwissenschaften.
Ein Zentralabitur auf Landesebene rundet dieses Bild ab.
Man wirft uns in Europa immer wieder vor, dass unsere Abgänger
zu alt sind. Unsere Antwort lautet: Straffung der Ausbildungszeiten
an Schulen und Hochschulen. Dadurch, dass eine intensivere Kooperation
zwischen den allgemeinbildenden Schulen und der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen
hergestellt wird, kann eine stärkere Ausrichtung auf Beruf
und Leben nach der Schule hergestellt werden. Wir haben das Potenzial
in und an unseren Schulen und Hochschulen. Es muss nur besser genutzt
und optimiert werden.
Unsere Schlagworte für den Bereich Bildung lauten: technikorientiert,
konzentriert und flexibel!
Auf das Thema Responsible Care und Sustainable Development bin
ich schon eingegangen und genau diese Freiwilligkeit und diese Initiativen
der chemischen Industrie für freiwillige Management- und Überwachungssysteme
müssen von den Behörden honoriert werden. D. h. wir brauchen
eine Reduzierung des Verwaltungsaufwandes beim Vollzug des Umweltrechts.
Und wir benötigen einen Verzicht auf landesspezifische Detailregelungen
um Raum für einzelfallgerechte Lösungen zu lassen. Unsere
Schlagworte zum Thema Umweltschutz: effizient, nachhaltig und konsensorientiert
lassen sich am besten innerhalb eines Umweltpaktes oder nennen wir
es Gespräche für ein Umweltbündnis formulieren. Unsere
Dialogbereitschaft besteht!
Dass Nordrhein-Westfalen ein innovatives Industrieland ist, muss
ich an dieser Stelle nicht noch einmal erwähnen. Deshalb brauchen
wir einen Abbau der Subventionsmentalität, die Förderung
der Technikakzeptanz und die stärkere Ausrichtung der Politik
auf zukunftssichernde Technologien. NRW muss noch stärker werden,
wenn es um die Schlüssel-Technologien der Zukunft geht.
Investitionen erfordern gute Infrastrukturen. Dazu zählen
wir ein zukunftsweisendes Verkehrswegenetz, eine Verbesserung chemiespezifischer
Infrastrukturen und eine schlanke und effiziente öffentliche
Verwaltung.
Unser Ministerpräsident Wolfgang Clement spricht in letzter
Zeit sehr gerne über ein Satellitenbild von Europa, aufgenommen
aus 36.000 km Höhe. Er beschreibt Nordrhein-Westfalen als eine
Region, die auf diesem Bild am hellsten erleuchtet ist. Genauso
hell erleuchtet wie Benelux und Nordfrankreich. Die anderen Lichtpunkte
auf diesem Satellitenbild sind nur kleine Lichtpunkte. Wir müssen
in Europa als Nordrhein-Westfalener diese Kraft, diese Leuchtkraft,
auch für uns einsetzen. Deshalb brauchen wir den Einsatz der
Landespolitik für eine effektiv entlastende Unternehmenssteuerreform,
für eine abgabensenkende Reform der Sozialversicherungssysteme
und eine internationale Harmonisierung von Umweltrecht und Vollzug.
Zusammengefasst kann man den Chemiestandort NRW charakterisieren
als innovativ, investitionsfreundlich und kraftvoll!
Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie uns über
unsere "Wahlprüfsteine" reden. Die Chemie in Nordrhein-Westfalen
befindet sich einmal mehr im konstruktiven Dialog. Heute mit Ihnen
und der interessierten Öffentlichkeit.
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