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Pressemitteilung

Ausführungen von Herrn Dr. Michael Schulenburg, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes der Chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen vor der Presse am 04. April 2000 in Düsseldorf.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

-Download als Zip-Datei-

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Ministerpräsident unseres Landes, Wolfgang Clement, beschreibt die Zukunft der Chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen wie folgt: "Für mich ist die Chemieindustrie (in Nordrhein-Westfalen) die innovativste Industriebranche, die wir haben." (Zitat aus IG BCE-Magazin, Ausgabe März 2000)

Ich begrüße Sie herzlich zu unserer Frühjahrs-Pressekonferenz. Mit der Pressekonferenz der Chemieverbände Nordrhein-Westfalen geht ein Reigen von Bilanz-Pressekonferenzen - nicht nur der Chemischen Industrie - zu Ende.

Die Schlagzeilen der letzten Wochen lauteten "Chemie rechnet 2000 mit Stellenaufbau - Konjunktur dreht auf; Chemie mitten im Aufschwung - mehr Beschäftigung - Lob für Regierung; Chemieindustrie geht optimistisch ins neue Jahr; Chemie spürt kräftigen Aufschwung; (diese Anreihung von Überschriften der letzten Wochen könnte sinngemäß fortgesetzt werden)."Die ersten Wochen des Jahres waren wirklich mehr als erfolgreich für die Chemische Industrie. Nach einem guten Start zu Jahresbeginn rechnen die Unternehmen dank einer weltweit günstigen Wirtschaftsentwicklung mit deutlichen Impulsen für Produktion und Umsatz.

Eine weitere Schlagzeile der letzten Tage lautete: "Das Bündnis lebt!" In nur 30 Stunden konnten sich die Vertreter der Arbeitgeberseite der Chemischen Industrie sowie der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie im hessischen Bad Wildungen einigen. In dieser Zeit wurde der erste große Tarifabschluss dieses Jahres beschlossen. Das Handelsblatt nannte diesen Tarifabschluss zu Recht: "zukunftsweisend!"

In den nächsten 25 Minuten möchte ich mit Ihnen zusammen das Jahr 1999 Revue passieren lassen sowie den Blick nach vorne in Richtung 21. Jahrhundert richten.Das Motto der Chemieverbände lautet wieder einmal mehr: Chemie im Dialog! Wir suchen den Dialog zu allen gesellschaftspolitischen Kräften in unserem Lande!

Am 14. Mai 2000 sind Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Die Chemische Industrie ist eine Schlüsselindustrie für das größte Bundesland, Nordrhein-Westfalen. Der neu zu wählende Landtag und die durch ihn gewählte Landesregierung werden maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung unseres Landes und damit auch der Chemischen Industrie nehmen. Unser Verband hat Erwartungen an die zukünftige Landespolitik formuliert. Sie dienen dem Dialog und der Orientierung vor der Wahl sowie als Maßstab für die Beurteilung der zukünftigen Landespolitik. (Exemplare liegen der Pressemappe bei und können von unseren Internetseiten downgeloaded werden - www.nrwchemie.de)

Umsatz und Ergebnisse der Chemischen Industrie Meine Damen und Herren, die nordrhein-westfälische Chemische Industrie startet mit Zuversicht in das Jahr 2000. Die wirtschaftliche und konjunkturelle Entwicklung unserer Industriebranche sehen wir alles in allem unter positiven Vorzeichen. Von der Erholung in Asien profitiert auch die nordrhein-westfälische Chemische Industrie und sie befindet sich wieder auf Wachstumskurs. Die wirtschaftliche Erholung setzte bereits in der 2. Jahreshälfte 1999 ein. Insgesamt können wir - in der Bundesrepublik Deutschland - für das Jahr 1999 ein Produktionsplus von 4,8 % verbuchen.

Umsatz Der Chemie-Umsatz (Gesamtumsatz ohne Handels- und fachfremde Umsätze) lag in Nordrhein-Westfalen 1999 mit 79,0 Mrd. DM erfreulicherweise um 5,1 % höher als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit ist der Chemie-Umsatz in Nordrhein-Westfalen deutlich stärker gestiegen als im Bundesdurchschnitt (1,2 %).

Bei der Umsatz-Entwicklung zeigt sich im Jahresverlauf eine zum positiven tendierende Entwicklung. Im ersten Quartal musste noch ein Minus gegenüber dem ersten Quartal 1998 verzeichnet werden, was sich bereits im zweiten Quartal langsam in ein Plus wendete. Im dritten und besonders im letzten Quartal 1999 konnten deutliche Umsatz-Zuwächse erzielt werden (Dezember 1999 + 25 %). Diese zusätzlichen Wachstumsimpulse dürften jedoch auch millenniumsbedingte Vorzieheffekte gewesen sein - sie wurden zunächst so interpretiert!

Erzeugerpreise So erfreulich doch dieses Umsatzplus ist, unser Sorgenkind sind nach wie vor die Preise, die wir für unsere Produkte auf unseren Märkten bekommen. Obwohl wir seit Juli letzten Jahres einen leichten Aufwärtstrend bei den Preisen beobachten, lag der Chemieerzeugerpreisindex im Durchschnitt des vergangenen Jahres allerdings noch immer rund 5 % unter dem Niveau des Basisjahres 1995.

An den Erzeugerpreisen bei chemischen Grundstoffen wird die Problematik besonders deutlich: im vergangenen Jahr sind die Preise trotz einer leichten Erholung im Jahresverlauf um 5,1 % zurückgegangen, während gleichzeitig die Rohstoffkosten als Folge der Rohölpreisentwicklung explodierten. Die Erzeugerpreislage ist nach wie vor unbefriedigend!Die drastischen Rohstoffkostensteigerungen konnten bisher nicht über die Preise weitergegeben werden. Dies hat die Ertragsmargen erheblich zusammengedrückt und die Unternehmen einem enormen Kostendruck ausgesetzt.

Beschäftigung Die Zahl der Beschäftigten der Chemischen Industrie Nordrhein-Westfalens ist 1999 - nach Angaben der amtlichen Statistik - um 2,2 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Danach betrug die Beschäftigtenzahl Ende Dezember 1999 rund 140.000. Ein Teil des Beschäftigungsabbaus geht allerdings auf die Ausgliederung von Unternehmen oder Unternehmensteilen im Servicebereich zurück. Diese Arbeitsplätze sind aber nicht verloren gegangen. Die dort Beschäftigten werden nun in der amtlichen Statistik teilweise nicht mehr der Chemiebranche zugeordnet.

Es ist leider nicht möglich, diese Effekte exakt zu quantifizieren, um die Nettoauswirkungen genau nennen zu können.

Chemie-Tarifbündnis 2000 In diesem Zusammenhang möchte ich auf das Tarifpaket der Chemischen Industrie zu sprechen kommen. Das Chemie-Tarifbündnis 2000 kommt allen zugute: Für ältere Mitarbeiter wird die Möglichkeit zur Altersteilzeit erweitert.Der Nachwuchs erhält bessere Chancen, einen Job zu finden.Und die jüngeren und mittleren Jahrgänge unter den Chemiebeschäftigten können gezielter etwas für ihre Altersvorsorge tun.

Die Anpassung der Tarife: moderat.

Mit dem Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände, Dr. Weinspach, haben Sie einen der kompetentesten Ansprechpartner der letzten Tarifverhandlungen in Bad Wildungen hier vor sich sitzen. Falls Sie zur "Philosophie" der Tarifgespräche und des Bündnisses für Arbeit Fragen haben, so wenden Sie sich bitte an Herrn Dr. Weinspach.

Für mich als Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes von Cognis war dieses Tarifbündnis sehr wichtig. Besonders die Laufzeit der Entgelt-Regelung von 21 Monaten gibt meinem Unternehmen Cognis - genau wie den anderen chemischen Betrieben - Planungssicherheit.

Ausbildung Besondere Bedeutung möchte ich dem Thema Ausbildung für den Chemiestandort Deutschland und im speziellen Nordrhein-Westfalen geben. Die Chemie-Arbeitgeber haben bis Ende 2002 eine weitere Steigerung des Ausbildungsplatzangebotes um insgesamt 10 % bezogen auf die Basis der Tarifvereinbarung von 1998 zugesichert. Dies steht in einem engen Zusammenhang mit anderen bildungs- und beschäftigungspolitischen Maßnahmen unserer Branche, auf die ich an dieser Stelle kurz eingehen möchte:

Der Boden des Beschäftigungsabbaus in unserer Branche scheint fast erreicht. Während in einzelnen Unternehmen die Beschäftigtenzahlen noch leicht zurückgehen, stellen andere - vor allem kleinere und mittlere - Unternehmen wieder ein und motivieren damit auch junge Menschen, eine Ausbildung in der Chemischen Industrie zu beginnen oder Chemie zu studieren. Die Chemieverbände Nordrhein-Westfalen fördern dies und werben landesweit für Ausbildungsmöglichkeiten in der chemischen Industrie und deren Berufsförderungsinitiativen. Dabei haben wir verschiedene Zielgruppen festgelegt.

Zum einen sind dies die Lehrer, die Auszubildenden und die Referendare - unsere Lehrer von morgen. Wir laden sie ein, mit uns in einen ergebnisoffenen Dialog zu treten. Dies geschieht z. B. auf unseren Lehrerwochenenden, wo chemiespezifische Schulthemen aufgearbeitet und mit den Lehrern kommuniziert werden. Weiterhin stellen wir uns auf unserem Lehrerkongress - der Jahr für Jahr einen höheren Zulauf erfährt (1999 rund 450 Lehrerinnen und Lehrer) - der gesamten nordrhein-westfälischen Lehrerschaft.

Schon bundesweit bekannt sind die Initiativen der Chemischen Industrie Nordrhein-Westfalens im Bereich der Kooperationspartnerschaften Schule - Wirtschaft bzw. Schule - Industrie. Zunächst misstrauisch vom Schulministerium beäugt, sind wir heute eines der Vorzeigeobjekte der Landesregierung. Unser Ziel ist es dabei, dass jede Schule einen Wirtschafts-, einen Lernpartner bekommt. Prof. Vollmer, Koordinator und Leiter der Kooperationsnetze in Nordrhein-Westfalen, nennt dies "präduale Ausbildung"! Das heißt: die Schüler stehen mit einem Bein in der Wirtschaft, mit dem zweiten Bein in der schulischen Ausbildung (dualer Aspekt für allgemeinbildende Schulen).

Schon vor einiger Zeit hat die Chemische Industrie erkannt, dass die Anzahl der Studienanfänger/-innen im Fach Chemie an unseren Universitäten nicht den erwarteten und erforderlichen Absolventenzahl entsprechen wird. Aus diesem Grund, haben wir ein Sonderstipendienprogramm aufgelegt, welches die besten Abiturienten eines Jahrganges motivieren soll, sich für ein Chemiestudium zu entscheiden. Der Fonds der Chemischen Industrie hat dafür ein Mittelvolumen von insgesamt 2 Millionen Mark bereitgestellt. Weiterhin wird intensiv an einer Reform des Chemiestudiums mit der Einführung von "Bachelor" und "Master"-Abschlüssen gearbeitet - bundesweit.

Umweltschutz Unter dem Motto "Responsible Care" - "Verantwortliches Handeln" - setzen sich Chemieunternehmen weltweit dafür ein, den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Sicherheit von Anlagen, Produkten und Transporten kontinuierlich zu verbessern. 1999 haben sich etwa 800 Mitgliedsunternehmen an der Datenerhebung zum Responsible Care-Bericht 1999 beteiligt. Sie repräsentieren damit rund 80 % der Beschäftigten bzw. mehr als 80 % des Umsatzes unserer Branche in ganz Deutschland.

Die Schadstoffemissionen sind auf niedrigem Niveau stabil oder sogar rückläufig. So rückläufig, dass die Chemische Industrie im Gewässerschutz vorbildliche Maßstäbe gesetzt hat. Dies wird sogar von unseren kritischen Dialogpartnern bestätigt. Bündnis 90/DIE GRÜNEN haben in ihren vielbeachteten 10 Thesen zur Erneuerung grüner Umweltpolitik festgestellt, dass sich die Chemische Industrie vom "klassischen Feindbild der Umweltbewegung zum Vorbild" entwickelt hat.

Selbstverständlich folgen daraus weitere Forderungen an uns, wie etwa im Bereich der Stoffpolitik und Chemikalienpolitik.Eine Besonderheit möchte ich an dieser Stelle nochmals erwähnen: Die Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände haben den spezifischen Energieverbrauch auf der Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung um 25 % und die absoluten CO2-Emission bisher um 29 % reduziert. Hierfür war eine gesetzliche Regelung nicht nötig. Sie sehen, meine Damen und Herren, es geht auch ohne Gesetze und Einwirkung seitens der Landesregierung.

Ich muss an dieser Stelle zum dritten Mal in Folge unserer Pressegespräche etwas anmahnen: Es ist leider das eingetreten, was die kritischen Geister innerhalb der Chemieverbände Nordrhein-Westfalens schon immer befürchtet haben. Die Landesregierung hat auch in diesem Jahr keine Gespräche für einen Umweltpakt - oder wie immer Sie diesen Dialog zum Thema nachhaltiger Umweltschutz nennen möchten - mit uns begonnen. Unsere Dialogbereitschaft besteht weiterhin. Leider hat die Landesregierung den angebotenen Dialog nicht aufgenommen. Und es ist doch so einfach:

Andere Bundesländer wie Bayern und Sachsen-Anhalt machen es uns vor. Das Land Hessen hat nach den Landtagswahlen ebenso eine Umweltallianz ins Leben gerufen.

Wir bleiben bei unserer Dialogbereitschaft und hoffen, dass Gespräche für eine Vereinbarung zum Schutz der Umwelt nach den Landtagswahlen im Mai in Angriff genommen werden können.

Responsible Care und Sustainable Development Responsible Care ist eine weltweite freiwillige Initiative der Chemischen Industrie für Aktionen innerhalb der Chemischen Industrie. Sie steht für den Willen zur ständigen Verbesserung von Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz - unabhängig von gesetzlichen Vorgaben. Mittlerweile haben sich mehr als 40 nationale Chemieverbände dem Responsible Care- Programm angeschlossen. Mit Responsible Care leistet die Chemische Industrie einen Beitrag für eine nachhaltig zukunftsverträgliche Entwicklung im Sinne von Sustainable Development. Sustainable Development steht für eine Leitidee, wie die Zukunft für lebende und kommende Generationen gestaltet werden kann. Dabei sollen grundsätzlich und gleichzeitig ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichrangig berücksichtigt werden.

Zukunftsperspektiven Wie die Bestenliste von Bundesforschungsministerin Bulmahn zeigt, brauchen wir uns im Bereich der Bio- und Gentechnologie nicht zu verstecken. Auf ihrer Rankingliste der innovativsten Standorte in der Bundesrepublik steht das Land Nordrhein-Westfalen im Bereich Biotechnologie an zweiter Stelle. Die Chemieverbände Nordrhein-Westfalen unterstützen und fördern als Beiratsmitglied in der Bio-Gen-Tec NRW Start-Up-Unternehmen und halten auch fortlaufend Kontakt zu den jungen Unternehmensgründern.

Wir sind froh über den Schwerpunkt der Biotechnologie, den unser Land hat. Diese Lorbeeren dürfen aber nicht zum Ausruhen einladen, denn die Entwicklungen in dieser Technologie schreiten ständig voran.

Ein weiteres Beispiel dafür ist das Thema E-Commerce. E-Commerce Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendetwas zum Thema E-Commerce, Zukunftsträger, Markt für neue Produktvermarktung oder zum Thema Internet als Marktplatz der Zukunft in unseren Zeitungen steht. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums stellt fest, dass der Umsatz im Bereich E-Commerce in Deutschland zur Zeit 2,6 Mrd. DM ausmacht. Die Prognose für das Jahr 2002 besagt, dass dann 94 Mrd. DM Umsatz im Bereich dieses neuen Mediums gemacht werden. Damit steht Deutschland nach den USA noch vor Großbritannien, Frankreich, Japan und Italien.

Aber der E-Commerce ist nicht nur rosig. Es gibt wie in jedem Bereich auch hier Hoffnungen und Sorgen. Hoffnungen, dass sich neue Handelspartner finden. Sorgen, dass anwendungsorientierte Produkte, die via E-Commerce gehandelt werden, mangels Anwendungs-know how die Erwartungen der Kunden nicht erfüllen und danach wegbrechen.

Doch trotzdem erwartet die Chemiebranche von diesem neuen Medium Vorteile. Der E-Commerce bietet eine stärkere Markttransparenz, eine Bündelung der Kaufkraft, einen geringeren Aufwand für Produktbewertung, mehr Effizienz sowie eine höhere Innovationsrate. Henkel bzw. Cognis unterstützt ein Joint-Venture mit der BASF, mit Degussa-Hüls und der Metallgesellschaft AG sowie SAP. Für Cognis kann ich sagen, dass wir uns an diesem neuen Joint-Venture beteiligen, da dieser virtuelle Marktplatz uns auf der Beschaffungseite besonders im b2b-Bereich (Business to Business) neue Möglichkeiten eröffnet und uns hilft, noch effizienter auf dem Weltmarkt zu agieren. Wir versprechen uns vom E-Commerce eine deutliche Senkung unserer Kosten beim Einkauf: vor allem die Kostenersparnis bei der Suche nach dem günstigsten Preis.

Aktuelle Wirtschaftslage Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie mich jetzt zu der Auswertung einer verbandsinternen Umfrage zur aktuellen Situation der Chemischen Industrie und einer Prognose für das laufende Jahr 2000 kommen. Obwohl die Beschäftigungsentwicklung in Nordrhein-Westfalen noch leicht rückläufig ist, so sehen die Personalplaner unserer Unternehmen zu 20 % ein Zunahme und zu über 52 % einen Gleichstand im Bereich Beschäftigung.

Über 86 % der von uns befragten nordrhein-westfälischen Chemiebetriebe sehen die allgemeine Geschäftslage zu Beginn des Jahres 2000 befriedigend bis gut. Unsere interne Mitgliederumfrage belegt, dass auch die Geschäftslage für die nächsten sechs Monaten ebenso und fast noch günstiger beurteilt wird. Weit über die Hälfte (62,5 %) der NRW-Chemiebetriebe hatte in den ersten zwei Monaten 2000 eine Zunahme der Produktion zu verzeichnen.

Wir können wirklich an dieser Stelle sagen, die Chemische Industrie in Nordrhein-Westfalen ist gut in das Jahr 2000 gestartet.

Die Chemiebetriebe im größten Bundesland Deutschlands erzielten im Jahr 1999 wie bereits erwähnt eine Zunahme des Umsatzes, was in den positiven Prognosen der Umsatzerwartung fortgeschrieben wird. ¾ der Befragten gehen von einer weiteren Zunahme des Umsatzes im ersten Halbjahr 2000 aus. Dass die Zahlen der Chemischen Industrie als ein früher und sensibler Konjunkturfühler auf dem Gesamtmarkt betrachtet werden können, ist allgemein bekannt und so sind auch die Erwartungen der Investitionen in den nordrhein-westfälischen Unternehmen zu sehen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass die Investitionen in 1999 höher waren als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Profitiert hat die Chemische Industrie - besonders in Nordrhein-Westfalen - vor allem von der Belebung der Konjunktur in den süd-ost-asiatischen Ländern. In diesem Bereich erzielten wir zum Teil zweistellige Wachstumsraten. Wir hoffen, dass in 2000 auch die Inlandsnachfrage anzieht.

Wahlprüfsteine Lassen Sie mich nach dieser Prognose der Chemischen Industrie für das Jahr 2000 zu unserem zweiten Schwerpunkt kommen. Die Chemische Industrie Nordrhein-Westfalens hat ihre Erwartungen an die zukünftige Landesregierung formuliert. Diese - ich nenne sie einmal Wahlprüfsteine - haben wir als - ich zitiere unseren Ministerpräsidenten "innovativste Branche in NRW" erarbeitet.

Sicherlich wird der eine oder andere von Ihnen, meine Damen und Herren, sich fragen, warum ausgerechnet die Chemische Industrie solche Erwartungen formuliert. Diese Frage ist einfach zu beantworten: Wir sind mit etwa 79 Mrd. DM vor dem Maschinenbau und dem Ernährungsgewerbe die umsatzstärkste Branche des Landes. Wir haben in Nordrhein-Westfalen rund 140.000 Chemie-Beschäftigte und sind damit einer der größten industriellen Arbeitgeber des Landes. Und was nicht zu vergessen ist, wir sind überwiegend mittelständisch organisiert. Das heißt, mehr als ¾ der über 430 nordrhein-westfälischen Chemietriebe hat weniger als 300 Mitarbeiter.

Unser Ziel ist es, in einen Dialog zu treten. Hierzu sollen u.a. diese Wahlprüfsteine dienen! Denn die Zukunft braucht Chemie und ich möchte ergänzen, Nordrhein-Westfalen braucht Chemie. Wie Sie den Wahlprüfsteinen, die vor Ihnen liegen, entnehmen können, haben wir kein komplettes Wahlprogramm geschrieben.

Nein! Wir haben uns drei der aus unserer Sicht wichtigsten Themen für Nordrhein-Westfalen herausgegriffen. Bildung, Umweltschutz und Standortförderung.

Wir haben die Bildung vorangestellt, denn unser Land ist mehr denn je angewiesen auf gut ausgebildete Menschen mit einem hohen Niveau an naturwissenschaftlichem Wissen. Deswegen fordern wir eine kontinuierliche Unterrichtung der Naturwissenschaften ab der 7. Klasse sowie eine Abschlussprüfung in den Naturwissenschaften. Ein Zentralabitur auf Landesebene rundet dieses Bild ab.

Man wirft uns in Europa immer wieder vor, dass unsere Abgänger zu alt sind. Unsere Antwort lautet: Straffung der Ausbildungszeiten an Schulen und Hochschulen. Dadurch, dass eine intensivere Kooperation zwischen den allgemeinbildenden Schulen und der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen hergestellt wird, kann eine stärkere Ausrichtung auf Beruf und Leben nach der Schule hergestellt werden. Wir haben das Potenzial in und an unseren Schulen und Hochschulen. Es muss nur besser genutzt und optimiert werden.

Unsere Schlagworte für den Bereich Bildung lauten: technikorientiert, konzentriert und flexibel!

Auf das Thema Responsible Care und Sustainable Development bin ich schon eingegangen und genau diese Freiwilligkeit und diese Initiativen der chemischen Industrie für freiwillige Management- und Überwachungssysteme müssen von den Behörden honoriert werden. D. h. wir brauchen eine Reduzierung des Verwaltungsaufwandes beim Vollzug des Umweltrechts. Und wir benötigen einen Verzicht auf landesspezifische Detailregelungen um Raum für einzelfallgerechte Lösungen zu lassen. Unsere Schlagworte zum Thema Umweltschutz: effizient, nachhaltig und konsensorientiert lassen sich am besten innerhalb eines Umweltpaktes oder nennen wir es Gespräche für ein Umweltbündnis formulieren. Unsere Dialogbereitschaft besteht!

Dass Nordrhein-Westfalen ein innovatives Industrieland ist, muss ich an dieser Stelle nicht noch einmal erwähnen. Deshalb brauchen wir einen Abbau der Subventionsmentalität, die Förderung der Technikakzeptanz und die stärkere Ausrichtung der Politik auf zukunftssichernde Technologien. NRW muss noch stärker werden, wenn es um die Schlüssel-Technologien der Zukunft geht.

Investitionen erfordern gute Infrastrukturen. Dazu zählen wir ein zukunftsweisendes Verkehrswegenetz, eine Verbesserung chemiespezifischer Infrastrukturen und eine schlanke und effiziente öffentliche Verwaltung.

Unser Ministerpräsident Wolfgang Clement spricht in letzter Zeit sehr gerne über ein Satellitenbild von Europa, aufgenommen aus 36.000 km Höhe. Er beschreibt Nordrhein-Westfalen als eine Region, die auf diesem Bild am hellsten erleuchtet ist. Genauso hell erleuchtet wie Benelux und Nordfrankreich. Die anderen Lichtpunkte auf diesem Satellitenbild sind nur kleine Lichtpunkte. Wir müssen in Europa als Nordrhein-Westfalener diese Kraft, diese Leuchtkraft, auch für uns einsetzen. Deshalb brauchen wir den Einsatz der Landespolitik für eine effektiv entlastende Unternehmenssteuerreform, für eine abgabensenkende Reform der Sozialversicherungssysteme und eine internationale Harmonisierung von Umweltrecht und Vollzug.

Zusammengefasst kann man den Chemiestandort NRW charakterisieren als innovativ, investitionsfreundlich und kraftvoll!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie uns über unsere "Wahlprüfsteine" reden. Die Chemie in Nordrhein-Westfalen befindet sich einmal mehr im konstruktiven Dialog. Heute mit Ihnen und der interessierten Öffentlichkeit.

 

  Letzte Änderung: 23.05.2003 © Chemieverbände NRW 2003