|
Pressemitteilung
Düsseldorf, den 23.
August 2001
Ministerin Kraft zu Besuch bei Büchner Lackfabrik
- Chemieindustrie fürchtet Kostenbelastungen
durch neue EU-Chemikalienpolitik -
Düsseldorf
- "Die von der EU-Kommission geplante EU-Chemikalienpolitik
führt zu erheblichen Kostenbelastungen in der Chemieindustrie
und bedeutet einen Verlust der Innovationsfähigkeit der Branche",
erläuterte Gernot Büchner, Vorstandsmitglied VCI NRW und
Inhaber der Ernst B. Büchner KG in Brüggen, der nordrhein-westfälischen
Ministerin Hannelore Kraft (Bundes- und Europaangelegenheiten).
Besonders die mittelständische Chemieindustrie wäre von
der neuen europäischen Chemikalienpolitik betroffen, die zur
Zeit in Brüssel von der Kommission behandelt wird.
Nordrhein-Westfalens EU-Ministerin Kraft (SPD) besuchte auf Einladung
der Chemieverbände NRW das mittelständische Unternehmen
der Lackindustrie, um sich über die möglichen Auswirkungen
der Brüsseler Pläne zu informieren. Dabei hob die Ministerin
die Bedeutung der Chemischen Industrie für Nordrhein-Westfalen
hervor und versprach, sich in die laufenden Beratungen in Brüssel
einzuschalten. "Wir müssen rasch eine einvernehmliche
Haltung der Landesregierung finden und diese umgehend in die laufenden
Beratungen in Brüssel einbringen. Noch lassen sich Korrekturen
erreichen." Um sich darüber hinaus über mögliche
Folgen für die chemische Großindustrie zu informieren,
wurde ein weiterer Firmenbesuch der EU-Ministerin innerhalb der
nächsten Wochen vereinbart.
Die landespolitische Unterstützung kommt nicht von ungefähr,
hat doch die Chemische Industrie NRW schon Gespräche mit Ministerpräsident
Wolfgang Clement (SPD) und den einzelnen Landtagsfraktionen zu diesem
zukunftsträchtigen Thema geführt.
"Nach den direkten Gesprächen mit den nordrhein-westfälischen
EU-Abgeordneten in Brüssel müssen wir jetzt der Landesregierung
die gravierenden Folgen für Forschung und Produktion aufzeigen",
so Dr. Friedrich Karl Weinspach, Hauptgeschäftsführer
der Chemieverbände NRW. In der Chemischen Industrie wird nicht
nur ein Wegfall der Produktionsviel-falt befürchtet, sondern
auch ein Verlust der Innovationsfähigkeit der Branche.
Besonders für die Chemieindustrie in Nordrhein-Westfalen,
die zu 2/3 aus mittelständischen Betrieben besteht, birgt die
Neuordnung der EU-Chemikalienpolitik Gefahren. So könnten Produktionen
in kleinen Mengen für spezifische Anwendungen aufgrund eines
kostspieligen Zulassungsverfahrens schnell unrentabel werden. Stilllegungen
oder die Verlagerung von Produktionseinheiten außerhalb der
EU sind mögliche Auswirkungen. "Dabei sind die daraus
folgenden Auswirkungen auf andere Industriezwei-ge, die ebenfalls
chemische Produkte verwenden, etwa in der Automobil- oder Baubranche,
noch gar nicht abzusehen", sagte Ministerin Kraft nach dem
Besuch der Büchner-Lackfabrik. Gernot Büchner unterstrich
die Aussage der Ministerin mit dem Begriff des "vorgesehenen
Verwendungszweckes" (Intended Use). "Eine Einengung des
Verwendungszweckes birgt für die Zubereitungsindustrie große
Gefahren. Wir sind darauf angewiesen eine möglichst breite
Palette von Rohstoffen zur Verfügung zu haben, um unseren Kunden
technisch fortschrittliche Produkte anzubieten."
Grundsätzlich begrüßt die Chemieindustrie die neue
EU-Chemikalienpolitik, betont Dr. Weinspach: "Die Information
der Verbraucher über Eigenschaften und Verwendung von Chemikalien
ist eines unserer freiwilli-gen Ziele, die wir im Rahmen von Responsible
Care (Verantwortliches Handeln) kontinuierlich umsetzen. Doch Brüssel
droht über das Ziel hinaus zu schießen." Die Branche
befürchtet einen enormen Kostenschub und die Erweiterung bürokratischer
Zulassungsverfahren für die Risikobewertung von chemischen
Stoffen. Der Verbandsgeschäftsführer von 470 Chemie-unternehmen
in Nordrhein-Westfalen verwies darauf, dass die Chemie sich nicht
verweigere, sondern auf ein einheitliches und handhabbares Registrierungsverfahren
dränge.
Aus diesem Grund haben die Chemieverbände NRW schon frühzeitig
Gespräche mit landesweiten und europäischen Politikern
geführt. Dabei wurden konstruktiv auf mögliche Folgen
für die Wirtschaftskraft des größten Bundeslandes
hingewiesen, die durch die neue EU-Chemikalienpolitik entstehen
könnten. Diese Gespräche werden bis zu den Abschlussberatungen
innerhalb der Kommission fortgesetzt.
Kontakt:
Chemieverbände NRW
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Norbert Minwegen
Tel.: 0211 / 67 93 144
Fax: 0211 / 67 93 188
Mobil: 0172 / 85 700 71
e-mail: minwegen@nrwchemie.de
Homepage: www.nrwchemie.de
|